Meine Grenzen

image_pdfimage_print

Ich möchte heute noch einmal aus einer anderen Sichtweise etwas zu meinem vorherigen Artikel “Aufopferung und Bedürfnisbefriedigung” zur Blogparade von Frau Chamailion schreiben.

Was ist denn, wenn meine Kinder auch anstrengend sind, zumindest zeitweise? Die Große ließ sich abends zwischen 18 und 23 Uhr nie ablegen, wollte dauerstillen und immer auf dem Arm sein. Selbst auf Toilette gehen, mich umziehen, bettfertig machen, Zähne putzen, war nicht möglich ohne sie auf dem Arm. Sie wollte immer dabei sein, überall, wo ich war. Wenn ich den Raum verließ, schrie und weinte sie, also nahm ich sie überall hin mit. Auch die Kleine hat so ihre Phasen, wo sie sich eben nicht ablegen lässt, dauerstillen möchte. Ich habe keine Wahl, ich mache das irgendwie und manchmal weiß ich rückblickend selbst nicht, wie.

Was ist, wenn ich auch über meine Grenzen gehe? Weil ich es möchte, weil ich es für wichtig halte und weil ich manchmal keine andere Wahl habe. Ich konnte mir vor der Geburt nicht vorstellen, wie es sein wird mit Kindern. Ich wusste nicht, ob es Verzicht, Umstellung, Anpassung und Rücksicht bedeutet oder ob das alles irgendwie klappt und ich trotz der Kinder noch Zeit habe für Sachen, die mir Spaß machen.

Was ist, wenn auch ich manchmal ungeduldig und genervt bin? Ich mache trotzdem weiter, ich kriege mich meist schnell wieder ein, weil ich dann denke: die Kinder sind das Wertvollste, was ich habe und Ungeduld und Genervtheit sind da fehl am Platz, denn sie sollen meine Liebe spüren.

Ich agiere, reagiere und manchmal funktioniere ich einfach. Was meine Kinder betrifft, setze ich mich sehr unter Druck, in jeder Hinsicht das Beste zu tun und mache mir dabei viele Entscheidungen wirklich extrem schwer.

Woher kommt das eigentlich? Meine Mama war alleinerziehend und hat direkt nach dem Mutterschutz wieder Vollzeit gearbeitet, weil ich während ihrer Ausbildung zur Welt kam, die sie beenden wollte, um eigenständig zu sein und selbst für sich und uns sorgen zu können. Sie wollte nie von jemandem abhängig sein und hat das gut geschafft. Nach der Ausbildung hat sie in Nachtschicht auf der Intensivstation gearbeitet, um tagsüber für uns da sein zu können. Auch sie ist dabei sicherlich über ihre Grenzen weit hinaus gegangen, um bestmöglich für uns da zu sein. Trotzdem war es gerade, weil sie alleinerziehend war, nicht leicht, das immer so zu organisieren, dass wir betreut sind. Mal war meine Patentante bei uns, mal übernachteten wir bei unseren Großeltern, allein waren wir nie. Die Großeltern wohnten nur 10 Kilometer von uns weg. Sie hatte keine andere Möglichkeit und hat das Beste daraus gemacht. Ich lebe in der glücklichen Situation, dass ich nicht alleinerziehend bin, dass ich durch die berufliche Situation meines Mannes und auch durch seine Einstellung, “nur” Teilzeit arbeiten muss. Die Großeltern unserer Kinder leben allerdings viel weiter weg, sodass wir hier vor Ort keine familiäre Unterstützung haben. Das ist nicht schlimm – wir kommen gut damit zurecht und trotzdem haben unsere Kinder einen sehr guten Bezug zu ihren Großeltern, weil wir uns regelmäßig sehen. Unsere Tagesmutter ist eine Seelenverwandte für mich und eine sehr gute Bezugsperson für die Kinder. Es hat von Anfang an gepasst und bis heute – wir haben trotz dass zurzeit keins meiner Kinder bei ihr in Betreuung ist regelmäßigen Kontakt, sehen uns, schreiben uns, telefonieren. Nächstes Jahr geht die Kleine zu ihr in Betreuung und die Große in Randstunden-Betreuung nach dem Kindergarten an den Wochentagen, wenn ich arbeite. Aber eben nur dann, wenn ich arbeite.

Ich habe nach der Geburt der Großen nach dem Mutterschutz einen Tag pro Woche gearbeitet aus finanziellen Gründen, weil wir eine ungünstige Krankenkassen-Konstellation in unserer Familie haben. Durch meine Teilzeittätigkeit war dann mein Krankenkassen-Beitrag durch das Gehalt abgedeckt. Die Große war in der Zeit bei der Tagesmutter und an den übrigen Tagen immer bei mir. Ich hätte mir nicht vorstellen können, sie zusätzlich zu diesem einen Tag nochmal nicht bei mir zu haben. Sicherlich wäre es manchmal einfacher gewesen, sie an einem anderen Tag noch ein paar Stunden zur Tagesmutter zu bringen oder mit dem Papa allein zu Haus zu lassen. Das wollte ich aber nicht, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte, dass sie schon als so kleines Baby mit 2 Monaten einen ganzen Tag lang ohne mich sein musste. Das habe ich mir vor der Geburt, als ich den Teilzeitarbeitsvertrag abgeschlossen habe, viel einfacher vorgestellt. Ich habe sie jede einzelne Minute vermisst, mir brach es das Herz, als sie morgens zumindest kurz weinte, als ich die Wohnung der Tagesmutter verließ. Die Tagesmutter ist bis heute eine gute Bezugsperson für sie und trotzdem tat es mir jeden Tag so weh, mich von ihr zu verabschieden und so lange von ihr getrennt zu sein. Nicht, weil ich dachte, dass es ihr dort nicht gut geht, sondern weil ich dachte, dass so ein kleines Wesen doch die Mama braucht. Andererseits habe ich gedacht: meine Mama hat das auch geschafft und es hat uns (scheinbar) nicht geschadet. Und sie ging viel öfter arbeiten als ich. Nach der Geburt der Kleinen war ich nicht arbeiten, aber dafür muss sie mich teilen mit der Großen, die zwar nicht viel Eifersucht zeigt, aber trotzdem natürlich viel Zeit und Nähe und Aufmerksamkeit von mir verlangt – und zwar viel mehr als die Kleine. Ich habe mich nach der Geburt nur zum Stillen um die Kleine gekümmert und meistens war auch die Große während dem Stillen auf meinem Schoß. Die Kleine kam also höchst selten in den Genuss, meine volle Aufmerksamkeit zu bekommen, weil die Große sich eben schon viel besser ausdrücken konnte und mich entsprechend forderte. Ich hatte und habe ein schlechtes Gewissen gegenüber der Kleinen, weil ich denke, dass sie so oft zu kurz kommt. Sie muss sich einfach damit abfinden, dass die Große meine Aufmerksamkeit auf sich zieht, weil sie lauter weint, lauter schreit und sich durch verschiedene Aktionen viel besser das holen kann, was sie braucht. Die Kleine ist genügsam und leicht zufriedenzustellen – sie hat aber auch keine Wahl, denn oft braucht die Große mich viel mehr – wahrscheinlich doch irgendwie aus Eifersucht wegen der Entthronung. Umso dankbarer bin ich, dass die Kleine so genügsam ist und nicht so fordernd. damit ich der Großen gerecht werden kann. Wenn die Kleine gestillt werden möchte, ist die Große genügsam und lässt dies ohne Probleme zu, spielt dann allein oder setzt sich dazu, weil sie weiß, dass ich danach wieder für sie da bin.

Weder nach der Geburt der Großen noch nach der Geburt der Kleinen bin ich zum Rückbildungskurs gegangen. Bei der Großen habe ich es probiert, aber sie hat es nicht zugelassen, weil sie zu der Uhrzeit (es ging bereits auf 18 Uhr zu und somit auf’s Dauerstillen) einfach nur mich akzeptiert hat und ansonsten geschrien. Der Papa kam dann mit dem weinenden Kind zum Raum, in dem der Geburtsvorbereitungskurs stattfand, und ich habe sie schon von weitem gehört. Bei der Kleinen hab ich’s dann erst gar nicht probiert.

Sicherlich hätte ich auch gerne was für mich oder zusammen mit meinem Mann gemacht: Sport, Nähkurs, Singen im Chor, Kino, Essen gehen, Konzerte, usw. Ich setzte und setze mich selbst unter Druck. Ich möchte so viel Zeit wie möglich mit meinen Kindern zusammen sein, weil ich weiß, dass sie von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr eigenständiger werden und viel schneller als mir lieb ist wahrscheinlich von allein sagen: “Mama, ich mach das alleine.” Bei der Großen kam es schon jetzt mit ihren 2 Jahren vor, dass sie mich beim Musikkurs rausschickte und sagte, dass sie jetzt alleine da bleibt und ich raus gehen soll. Und dann, wenn sie später zu ihren Freunden spielen gehen möchten, dann habe ich doch wieder Zeit für alle diese Dinge, die ich jetzt vielleicht vermisse (wobei ich sie nicht wirklich vermisse, weil ich die Zeit mit meinen Kindern wirklich genieße).Manche Dinge von denen, die ich ich gerne machen möchte, kann ich natürlich auch dann machen, wenn die Kinder schlafen. Aber dann ist da ja noch der Haushalt, die Organisation, Vorbereitung für den nächsten Tag und manchmal fehlt mir auch einfach die Kraft und die Energie, ich schlafe auf dem Sofa oder beim Ins-Bett-bringen der Kinder mit ein. Ich möchte meinen Kindern all das ermöglichen, was ich vielleicht früher nicht konnte. Zwar habe ich an früher als Kleinkind in dem Alter, in dem meine Beiden jetzt sind, zwar keine richtige Erinnerung und ich weiß nicht, was ich damals machen konnte und was nicht, aber ich denke, durch die Grenzen meiner Mutter (finanziell, weil sie alleinerziehend war und zeitlich, weil sie berufstätig war) hielt sich das in Grenzen. Ich hatte trotzdem oder gerade deswegen eine schöne Kindheit, die beste, die sie uns ermöglichen konnte und ich bin froh, wie es ist, weil ich dadurch zu der Frau und Mutter geworden bin, die ich bin. Trotzdem denke ich, dass heute eine andere Zeit ist, es gibt viel mehr Angebote, viel mehr Möglichkeiten und durch unsere Situation kann ich den Kindern eben viel mehr Zeit und Möglichkeiten bieten. Und das ist ok so – ich möchte das gar nicht besser oder schlechter darstellen als ich es früher als Kind hatte. Es ist einfach anders.

Annehmen fällt mir sehr schwer. Obwohl mir immer wieder gesagt wird, dass wir doch auch mal was als Paar machen müssen, um uns nicht aus den Augen zu verlieren, halten sich die Abende, an denen wir wirklich zu zweit waren, in Grenzen. Zweimal war die Große abends bei unserer Tagesmutter und zweimal tagsüber: zweimal waren wir zusammen in der Sauna, einmal auf einem Konzert und einmal bei einer Comedy-Veranstaltung. Wir denken da zum Glück beide gleich, dass wir unsere Kinder nicht so oft abgeben möchten, um als Paar etwas zu machen, sondern die Zeit nutzen, die sie uns lassen und später werden wir all das nachholen können, wenn die Kinder “aus dem Gröbsten raus sind” bzw. es ihnen leichter fällt, ohne uns zu sein.

Die Möglichkeiten sind da: Dass wir uns diese Auszeiten ohne die Kinder nicht nehmen, liegt nicht daran, dass wir keine Möglichkeiten haben. Inzwischen müssten wir nur die Hand heben und hätten jemanden für die Kinder. Neben unserer Tagesmutter, zu der wir die Kinder jederzeit, ob tagsüber oder abends bringen können, hat nun auch meine Lieblingstante angeboten, hier bei uns zu Hause mit den Kindern zu spielen oder da zu sein, während sie schlafen, damit wir als Paar etwas unternehmen können. Und unsere Tagesmutter hat eine Babysitterin empfohlen, die eine Ausbildung zur Erzieherin macht und gerne als Babysitterin tätig sein möchte. Ich habe das als Jugendliche damals gemacht, dass ich mich um ein 2-jähriges Kind gekümmert habe, während die Mama sich um den Haushalt und Einkäufe kümmerte. Ich spielte mit der Kleinen, ging mit ihr spazieren oder zum Spielplatz. Obwohl ich all diese Angebote sehr zu schätzen weiß, ist in mir dieser innere Druck, dass ich doch meine Kinder nicht abgeben möchte und kann, um selbst Spaß zu haben, während sie mich vielleicht vermissen. Das schlechte Gewissen lässt mich da nie ganz los und hat mich bisher davon abgehalten, eins dieser Angebote anzunehmen. Ich bin mir sicher, dass meine Kinder in der Zeit mich zwar vermissen, aber trotzdem auch Freude haben würden, weil es eben eine besondere Situation ist und weil sie dann etwas machen, was wir vielleicht nicht mit ihnen machen. Und wenn wir dann wieder zurück sind, freuen sie sich und freuen wir uns, dass wir wieder da sind. Es würde ihnen bestimmt nicht schaden, wenn sie mal diese 2 – 3 Stunden ohne uns sind. Und trotzdem tue ich mich so schwer – nicht aus mangelndem Vertrauen, sondern aus schlechtem Gewissen, dass die Große ja so schon oft ohne mich sein musste, weil ich so früh wieder arbeiten ging und die Kleine nie in den Genuss kommt, 100 % Mama zu erleben, weil sie mich mit der Großen teilen muss. Ihr könnt mich jetzt als verrückt erklären, dass ich mir da so’n Kopf drum mache und ihr könnt es als aufopfernd erklären. Ich komm aber irgendwie nicht raus aus diesem Gedankenkarrussell und aus dem schlechten Gewissen, wenn ich dann doch echt mal was für mich oder für uns als Paar tue. Meine Tante sagte mir, dass es so wichtig ist, ab und zu – muss ja nicht jede Woche oder jeden Monat sein – auch mal was für sich als Paar zu machen, damit man nicht nur nebeneinander her lebt und sich später wieder neu kennenlernen muss, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Oder weil man ständig nur auf die Kinder geschaut hat und deshalb für den Partner den Blick vielleicht verloren hat. Bestimmt hat sie Recht – sie sagt es ja aus ihrer Erfahrung. Und später werde ich vielleicht die gleiche Erfahrung gemacht haben und sagen “Hätten wir mal besser…” aber bekanntlich muss ja jeder seine eigenen Erfahrungen machen.

Ich bin nun aber schon ein Stück weiter gekommen und ich denke, wenn nun die Feiertage rum sind, werden wir das mal konkreter mit meiner Tante besprechen, dass wir es mal ausprobieren. Die Kinder lieben meine Tante und meinen Onkel, ich vertraue den beiden sehr und wir verstehen uns gut. Ich weiß, dass sie die Kinder genauso behandeln würden, wie ich es auch tue und sie trösten, wenn sie weinen, sie versuchen abzulenken, wenn sie traurig sind und sie niemals mit ihren Gefühlen allein lassen würden. Sie haben so viele tolle Ideen, was sie mit ihnen Kindgerechtes machen können, damit sie es schön und spannend finden, mit ihnen zusammen zu sein und die Neugier wecken, damit sie uns Eltern nicht so sehr vermissen. Es wird dann eine Premiere sein und ich bin jetzt schon gespannt, wie es klappt. Wahrscheinlich werde ich dann spüren, dass das schlechte Gewissen gar nicht nötig ist, weil sie es genießen, diese Zeit ohne uns zu verbringen, weil sie Freude haben und uns als Eltern die Zeit ohne die Kinder auch gut tut. Ich kann es mir zwar jetzt noch nicht vorstellen, aber im Nachhinein werde ich dann sicherlich auch froh sein, es probiert zu haben. Und wie die Kita-Leiterin auch vor Kurzem sagte: “Wenn wir als Eltern klar in der Entscheidung sind und es klar ohne Zweifel kommunizieren und Vertrauen haben, dass es klappt, dann kann es nur klappen.”.

Und noch ein Punkt kommt mir zunehmend in den Sinn: die Große hat immer nur mich verlangt, abends zum Einschlafen, abends zum Dauerstillen, usw. Ich habe es ihr immer erfüllt, weil ich es nicht über´s Herz brachte, sie weinen zu sehen und trotzdem zu gehen. Was habe ich dadurch aber vielleicht dem Papa vorenthalten? Bis heute möchte sie nur mit mir einschlafen, nachdem sie vom Papa die Geschichte vorgelesen bekommen hat. Dadurch, dass ich es immer erfüllt habe, hat sie sich vielleicht auch daran gewöhnt, dass es keine andere Möglichkeit gibt. Wenn es von Anfang an vielleicht normal gewesen wäre, dass sie einen Abend pro Woche mit Papa abends spielt und er sie dann anschließend ins Bett bringt, wäre dies sicherlich auch problemlos möglich gewesen. Durch meine innere Einstellung, mein schlechtes Gewissen und vielleicht auch, weil ich mich unersetzlich gefühlt habe und nicht loslassen konnte, habe ich den beiden etwas genommen, was so wertvoll für sie sein kann. Inzwischen möchte die Große zwischendurch mal beim Papa einschlafen, krabbelt nachts rüber zu ihm, will nicht von mir sondern von ihm getröstet werden und weint morgens, wenn er zur Arbeit fährt. Und wieder kommt mein schlechtes Gewissen, weil ich das vielleicht viel früher hätte beeinflussen und den beiden ermöglichen können. Bei der Kleinen mache ich es jetzt anders. Sie lag schon nach der Geburt sofort auf Papas Arm, während ich die Große nur bei mir haben wollte und mir nicht vorstellen konnte, sie aus dem Arm zu geben. Ich habe förmlich geklammert und durch diese Einstellung wahrscheinlich dafür gesorgt, dass die Große nur mich verlangt. Im Nachhinein betrachtet tut mir das sehr leid für die Beziehung zwischen Papa und Tochter. Es freut mich dafür umso mehr, dass die Beiden nun trotzdem ein Team sind und die Bindung zwischen den Beiden langsam genauso stark wird wie zwischen uns. Bei der Kleinen werde und möchte ich es deutlich früher unterstützen und ihr das Gefühl vermitteln, dass sie bei Papa genauso zufrieden sein kann und genauso die Nähe spüren kann, wie sie sie von mir auch bekommen kann. Es geht ihr dort genauso gut wie bei mir, auch wenn er manches anders macht als ich. Und der Papa kann das, darauf vertraue ich. Die Kinder lieben mich ja nicht weniger, wenn ich mal einen Abend pro Woche weg bin. Im Gegenteil, sie haben dann etwas ohne mich und ich habe etwas ohne sie und wenn wir dann wieder zusammen sind, freuen wir uns und können es genießen. Ich bin dann vielleicht ausgeglichener, weniger genervt und weniger angespannt, weil ich durch diese vergleichsweise wenigen Stunden ohne die Kinder Energie habe und Kraft, um mit ihnen die übrige Zeit zufrieden und entspannt zu verbringen.

In der teils sehr hitzigen Diskussion zur Bedürfniserfüllung, die es bei Twitter gab, war es mir im Nachhinein wichtig, dies zu schreiben. Ich bin seit der Geburt der Großen oft über meine Grenzen gegangen, war dadurch in schwierigen und anstrengenden Phasen auch genervt, gereizt und unzufrieden, aber ich habe mir immer eingeredet, dass es für die Kinder das Beste ist, wenn ich bei ihnen bin. Und dass sie auch durch Genervtheit spüren dürfen, dass ich ein Mensch mit Grenzen bin. Dafür muss ich sie ja nicht gleich abgeben und betreuen lassen, damit wir uns gegenseitig vermissen. Manchmal hilft es aber auch, sich gegenseitig zu vermissen, um nachher wieder mehr Freude aneinander zu haben und dass man zu schätzen weiß, was man aneinander hat.  Die Kinder werden sicherlich keinen Schaden davon tragen, wenn sie mal 2 Stündchen ohne mich sind. Im Gegenteil! Deshalb werde ich im neuen Jahr mal verschiedenes ausprobieren, was mir Freude machen könnte, das dann zu meinem Hobby wird. Ich habe nun fast 3 Jahre lang komplett zurückgesteckt, vielleicht aufgeopfert, ausschließlich auf die Bedürfnisse der Kinder Rücksicht genommen und mich komplett danach gerichtet. Vielleicht war es falsch, das weiß ich nicht. Jedenfalls habe ich durch alle Eure Beiträge zur Blogparade reflektiert, darüber nachgedacht und bin zu diesem Schluss gekommen, der aber auch vorher schon teils in meinen Gedanken umherschwirrte. Ihr habt Recht damit, dass ich mich nicht aufopfern muss, damit meine Kinder glücklich sind. Ich bereue es trotzdem nicht, die Bedürfnisse der Kinder so gut berücksichtigt und nach meinen Möglichkeiten erfüllt zu haben. Sie sind dadurch zu dem geworden, was sie sind und ich bin sehr stolz darauf, dass ich das so gut hinbekommen habe, genau wie Ihr auch stolz darauf sein könnt, wie Ihr es gemacht habt – auch wenn es ein ganz anderer Weg ist als meiner. Es gibt in 1000 Familien 1000 verschiedene Wege und das ist auch gut so.

Mit meinem Artikel wollte ich nicht urteilen und schon gar nicht verurteilen. Ich habe das getan, was mir immer so schwer fällt, nämlich mich selbst zu loben, mir auf die Schulter zu klopfen. Wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich mein Licht eher unter den Scheffel stelle. Und dieses Mal habe ich es anders gemacht und es als Verdienst bezeichnet und nicht nur als Glück, wobei ich nie gesagt habe, dass gar kein Glück dazu gehört. Dazu stehe ich auch weiterhin, habe aber nie gesagt und auch nicht gemeint, dass die, deren Kinder vielleicht anstrengender und komplizierter sind als meine, daran auch nur irgendeinen Anteil haben. Auch ihr macht, genau wie ich, das Beste, was Ihr leisten könnt und möchtet. Ob ein Kind anstrengend oder unkompliziert ist, hat immer auch etwas mit mir und meiner Energie zu tun. Und die ist auch bei jedem unterschiedlich, weil der eigene Anspruch und auch die Umstände ganz unterschiedlich sind. Das respektiere ich. Alle, die es schwieriger haben, haben mein Mitgefühl. Ich bin überzeugt, dass Ihr es richtig macht, so wie Ihr es macht, dass Ihr gute Eltern seid und Ihr könnt stolz sein auf Eure Kinder und auf Eure Leistung.

Eure Mami Renate 

1,431 total views, 1 views today

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *