Gemeinsame Mahlzeiten

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Bevor die Große mit Brei angefangen hat (auf Anraten des Kinderarztes, obwohl ich sie eigentlich 6 Monate voll stillen wollte), habe ich das Buch “Mein Kind will nicht essen” zumindest teilweise gelesen und dieses hat mir sehr geholfen, meine davor schon existierende Einstellung, dass ein gesundes Kind normalerweise signalisiert, wenn es Hunger hat und genauso auch, wenn es satt ist. Der Kinderarzt meinte allerdings, dass ich schon anfangen soll wegen der Allergieprävention. Ich wusste es ja nicht besser und bin deshalb seinem Rat gefolgt. Bei der Kleinen wäre 6 Monate voll stillen für ihn ok gewesen (er hat mir einen Prospekt in das U-Heft gelegt gemäß WHO-Empfehlung), die Kleine wollte aber schon mit 4 Monate mit essen und hat mir förmlich das Essen vom Teller gestarrt. Hätte ich einfach auf diesen Zeitpunkt bei der Großen gewartet, wäre es deutlich entspannter gewesen. Aber als Erstlingsmama war ich dafür einfach zu unerfahren und unsicher. Es hat ja trotzdem geklappt und sie hat halt in den ersten Wochen nur ganz wenig Brei zu sich genommen, weil sie das meiste ausgespuckt oder erst gar nicht probiert hat.

Bei der Kleinen hab ich mir nur wenige Wochen die Mühe gemacht, Brei zu kochen. Sie wollte den Brei nämlich nicht und es führte immer dazu, dass die Kleine das aß, was ich sowieso als Essen für die Große und mich vorgesehen hatte und die Große hat den Brei gegessen “weil sie auch ein Baby ist”, wie sie wortwörtlich sagte. Also sparte ich mir den Brei und es gab einfach von dem was, was wir auch aßen. Das machte es etwas einfacher. Nach ein paar Wochen reichte es der Kleinen nicht mehr, nur mittags was vom Tisch mitzubekommen, sie wollte morgens und abends auch was mithaben und jetzt kann ich sagen, dass sie schon bei allen Mahlzeiten mit vom Familientisch isst. Das Stillen gibt’s auf Verlangen – zwischendurch wird es immer seltener, nur noch zum Einschlafen und nachts in den unzähligen Schlafunterbrechungen. Das ist für mich völlig in Ordnung und auch bei ihr werde ich solange stillen, wie sie es braucht und möchte und wünsche mir, dass es dann genauso unkompliziert ist wie bei der Großen.

Inzwischen gehe ich sogar noch etwas weiter in meiner Einstellung, dass durch den Appetit auf etwas auch ganz gut signalisiert wird, was der Körper gerade braucht. Ich hatte zum Beispiel im Laufe der Schwangerschaft mal Lust auf Obst, mal Lust auf Fleisch und mal Lust auf Eis und ich denke, dass genau das gezeigt hat, dass ich mal Vitamine, mal Eisen und mal Süßes brauchte. Bei der Großen ist mir gerade in der Krankheitszeit (als sie 2 Wochen lang kein Essen zu sich genommen hat) aufgefallen, dass sie danach einen extremen Bedarf an Eisen hatte. Dafür musste sie Tropfen nehmen, aber sie hat auch gerne Fleisch gegessen und den Rotbäckchen-Saft mit Eisen sehr gern und viel getrunken. Zurzeit trinkt sie ihn gar nicht gerne, deswegen gehe ich davon aus, dass sie den Eisenbedarf durch die Nahrung gut denkt und keinen Zusatzbedarf hat.

Heute möchte ich Euch mal von unseren gemeinsamen Mahlzeiten erzählen, die meine Geduld teilweise wirklich auf die Probe stellen. Äh, gemeinsam? Darf ich das überhaupt so nennen, wenn wir eher in Etappen nacheinander als tatsächlich alle gleichzeitig essen?

Zumindest sitzen wir zu Beginn alle gleichzeitig am Tisch.

Frühstück:

Der Papa frühstückt meist nur ganz kurz zwischen Tür und Angel, bevor er das Haus verlässt zur Arbeit. Wir frühstücken dann, wenn beide Kinder und ich angezogen und gewaschen/ geduscht sind “ganz in Ruhe”. Ich bereite geschnittenes Obst vor und das Brot darf sich die Große inzwischen selbst schmieren. Die Kleine bekommt dann verschiedenes angeboten – meist ein Stückchen von mir oder der Großen. Die Aufmerksamkeitsspanne ist hier noch sehr gering. Nachdem sie auf allem ein paar Mal rumgekaut hat und alles runtergeworfen hat, zappelt sie so sehr im Stuhl herum oder klettert sogar auf den Tisch, dass ich sie dann doch lieber runtersetze und sie dann meistens fröhlich durch den Raum krabbelt oder irgendwas zum Spielen nimmt. Die Große isst dann noch zu Ende, will aber zeitweise auch wieder gefüttert werden, nachdem es vor etwa einem Jahr schon mal super klappte, dass sie selbst isst. Entsprechend komme ich dann entweder mehr oder weniger zum Essen. Na ja, egal – Hauptsache Kaffee. Man wird ja bescheiden. ;-)Was mich ein bisschen nervt, ist, dass die Große überhaupt keine Kruste essen möchte. Fragt mich jetzt nicht, wann es dazu kam, dass ihr die abgeschnitten wurde. Ich vermute, als sie krank war und aufgrund der Mundentzündung nicht so gut essen konnte. Da war mir alles recht, Hauptsache sie aß. Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber offensichtlich hat es sich eingeschlichen. Sie verlangt vehement, dass die Kruste abgeschnitten wird, egal welche Argumente ich bringe. Ok, dann ist es halt so und irgendwann wird sie sie halt essen – oder eben nicht. Es gibt Schlimmeres.

Zwischenmahlzeit:

Da auch die Große beim Frühstück eher bescheiden ist, hat sie meist schon nach 1 – 1,5 Stunden wieder Hunger.Wenn wir unterwegs sind, packe ich belegte Brote oder Brötchen und Obst ein. Wenn wir zu Hause sind, gibt’s auch schon mal nen Joghurt zwischendurch, je nachdem was sie haben möchte.

Mittagessen:

Das haben wir inzwischen so organisiert, dass mein Mann mittags auf der Arbeit isst und wir zu Hause warm. Meistens bereite ich dafür schon etwas vor am Vorabend oder morgens, damit das Kochen nicht zu lange dauert. Gerade, wenn wir unterwegs waren, muss es meist schnell gehen, damit die Große nicht zu müde ist und vorher schon einschläft. Manchmal passiert aber auch das, dann gibt es eben das Mittagessen erst nach dem MIttagsschlaf. Beim Mittagessen komme ich meist so gut wie gar nicht zum Essen, wenn überhaupt dann, wenn die Kinder fertig sind. Meistens aber auch dann nicht, weil sie dann so müde sind, dass sie direkt ins Bett müssen – entsprechend ist die Stimmung. Entweder ich schiebe mir dann schnell noch ein bis drei Löffel rein oder ich pack den Rest in den Kühlschrank für morgen oder für später (was aber dann trotzdem auf morgen rausläuft, weil ich keine Lust habe, das dann nur für mich wieder aufzuwärmen).

Zwischenmahlzeit: 

Nachmittags gibt es dann für beide Kinder entweder Obst, Obstkompott, Joghurt oder auch mal Plätzchen. Da esse ich dann schon mal was mit, wenn was übrig bleibt. Wenn wir unterwegs sind, hab ich entweder nen Brötchen oder auch mal Waffeln im Gepäck.

Abendessen: 

Kurz bevor der Papa nach Hause kommt, koche ich den Abendbrei (Schmelzflocken mit Obst und Milch) für die Kleine. Meistens möchte die Große davon auch schon etwas mitessen. Falls noch etwas übrig bleibt, esse ich den Rest, weil ich diesen Brei sehr gerne mag: mein Seelenfutter. Deshalb koche ich davon gerne etwas mehr, damit auch wirklich noch was für mich übrig bleibt. Wenn der Papa dann da ist (meist während wir den Abendbrei essen), ist dann der nahtlose Übergang zum Abendbrot, bei dem die Große dann meist noch ein bis zwei Scheiben Brot oder Brötchen isst und die Kleine ein bisschen rumknabbert und alles mal probiert runterwirft. Hier müssen wir uns meist beeilen, weil die Stimmung sehr schnell kippen kann. Die Große möchte zwar gern noch herauszögern durch Spielen, Bücher lesen oder Toben, ist aber meist schon sehr müde und die Kleine verlangt das Stillen, bei dem sie meist schnell einschläft. Wenn das auf dem Arm passiert, dann kommt sie nachher beim Wechsel ins Bett nicht zur Ruhe. Deshalb ist Eile geboten, damit ich sie direkt im Bett stillen kann.

“Hab ich heute eigentlich schon was gegessen?”, schießt es mir so durch den Kopf, während ich die Kinder in den Schlaf begleite. Rechts im Arm liegt die Kleine beim Stillen, links im Arm die Große. Meist tut sich dann in meiner Magengegend echt ein kleines Loch auf, das mir zeigt, es war definitiv zu wenig. Ich warte also sehnlichst auf den Moment, wenn die Kinder schlafen. Dann beginnt meine Zeit. Zwar habe ich mir vorher brav mit den Kindern die Zähne geputzt, aber das kann ich ja nochmal machen. Ich stehe mit schlechtem Gewissen vor dem Süßigkeitenschrank und frage mich, was jetzt in kürzester Zeit mein Kaloriendefizit vom heutigen Tage ausgleichen könnte, mir noch Zeit lässt zum erneuten Zähneputzen, bevor ich das nächste Mal von einem der Kinder verlangt werde. Schokolade macht glücklich, sagt man doch. Und sie erfüllt diese Anforderung sehr gut: viele Kalorien in kurzer Zeit.

Am Wochenende sieht das natürlich etwas anders aus und dadurch, dass der Papa da ist, kann einer von uns die Kleine füttern und einer die Große. Meist kommen wir dadurch dann beide nicht so richtig zum Essen, nachdem die Kinder satt sind, weil dann deren (oder unsere) Geduld zu Ende ist oder entweder Mittags- oder Nachtschlaf eingefordert werden.

Dass das nicht die gesündeste Variante ist, ist mir durchaus bewusst. Und Gemütlich ist es auch nicht gerade, wenn auf dem einen Kinderstuhl gezappelt, geklettert und alles runtergeworfen wird und auf dem Anderen danach gefragt wird, gefüttert zu werden. Die Große kann zwar alleine essen, will aber dennoch oft von mir gefüttert werden. Und die Kleine wirft einen Großteil des Angebotenen unter den Tisch, sodass ich meistens damit beschäftigt bin, das wieder aufzuheben oder für Nachschub zu sorgen. Ich merke, dass etwas geändert werden sollte, weiß aber nicht wie und war. Es macht mir nichts aus, zuerst den Kindern zu helfen, und ich fühle mich dabei auch nicht wirklich schlecht, glaube aber, dass es für die Gesundheit besser wäre, etwas regelmäßiger und sogar gesünder zu essen. Und für die Kinder ist es sicherlich auch irgendwann wichtig, sogenannte Tischregeln zu haben. Aber was nimmt man da als Tischregeln und ab wann machen sie wirklich Sinn?

Wenn Ihr die ultimative Lösung oder auch schon einen Ansatz für mich habt, wie wir die gemeinsamen Mahlzeiten besser hinbekommen, gerne her damit. Oder wird das mit so kleinen Kindern einfach total überbewertet und es regelt sich schon von allein, wenn sie älter sind? Ab wann sollten Regeln aufgestellt werden, bzw. sollten überhaupt Regeln aufgestellt werden oder sind es die unausgesprochenen Regeln, die wir vorleben? Auf Eure Kommentare freue ich mich. 

Eure Mami Renate

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2 thoughts on “Gemeinsame Mahlzeiten

  1. Hat die Kleine einen Tisch vor dem Hochstuhl mit leicht erhöhen Kanten oder so etwas wie die happy mat von ezpz?
    Seit dem es bei uns das Fingerfood nicht mehr vom grossen Tisch gibt sondern auf dem eigenen Tisch vom Triptrap hat sich vieles erleichtert. Das Fingerfood wird nicht mehr einfach so auf den Boden gewischt durch die leichte Erhöhung. Somit ist unsere Kleine prima mit selber mümmeln beschäftigt und Mama kann in Ruhe daneben essen. Die Tablettkante hält allerdings auch nicht vom aussortieren ab ;), ein bisschen Bewegung beim BLW gehört wohl dazu. Also bei uns war der eigene Tisch die Lösung zum entspannten gleichzeitig essen.

    • Danke, liebe Elli.
      Dummerweise hat der hochstuhl, den wir haben, kein Tablett dabei. Es ist ja eine vergleichsweise kurze Zeit, die ich bestimmt noch überstehen werde. Dafür nen neuen hochstuhl zu kaufen, lohnt sich meiner Meinung nicht. Es dauert Bestimmt nicht mehr lange, bis es ein Ende hat. 😉

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