Sehnsucht

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Die letzten Wochen meinen es nicht gerade gut mit “UNS”. Dieses “UNS” meint nicht uns als Familie, also Papa, Mama und die beiden Mädels, sondern UNS als Eltern, als Paar.

Mein Mann und ich sind uns einig, dass wir keinen Babysitter oder jemand anders fragen möchten, damit wir als Paar mal zusammen weggehen können. Wir machen das dann wieder, wenn die Kinder etwas größer sind und uns von sich aus nicht mehr so sehr brauchen. Bis dahin nutzen wir die Zeit, die uns die Kinder lassen, wenn sie spielen oder schlafen. Die Betonung liegt auf WENN. In den letzten Wochen gibt es dieses WENN nämlich kaum.

Das abendliche Einschlafen, bis ich wieder aufstehen kann, dauert so lange, bis dass ich manchmal selbst einschlafe oder bis dass mein Mann ins Bett geht. Die Große schläft meistens verlässlich und schnell ein. Die Kleine braucht gerade ziemlich lange, bis dass sie so tief schläft, um auch ohne Stillen weiterzuschlafen. Bis dass sie dann das nächste Mal stillen möchte, bleiben ca. 1,5 Stunden, in denen ich die Wahl habe zwischen Bloggen, Haushalt, Fernsehen, mit dem Mann quatschen…. Diese 1,5 Stunden sind so kurz, dass ich das, was ich machen möchte, nicht schaffe. 

Wo bleibt also diese Zeit, die wir nutzen wollen, WENN…. Manchmal versuchen wir, beim Abendessen was zu besprechen – geht aber nicht so gut, weil die Große dann umso lauter schreit: “Kannst Du mich bitte füttern?” Oder lauthals irgendwelche Lieder singt, sodass ich nicht mal mein eigenes Wort verstehe. Mehr als “Wie war Dein Tag?” und “Was habt Ihr heute gemacht?” schaffen wir nicht.

Gut, dass es E-Mails und whatsapp gibt….

… sonst könnten mein Mann und ich noch nicht mal das Wichtigste besprechen zurzeit.

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© Tim Reckmann  / pixelio.de

Irgendwann werden WIR wieder alle Zeit der Welt haben – und wahrscheinlich sieht dann unsere Sehnsucht ganz anders aus als jetzt. Zurzeit sehnen wir uns nach Zeit zu Zweit und wenn wir sie haben, sehen wir uns nach Zeit zu Viert. Verrückt, oder? Dann haben unsere Kinder nämlich bestimmt andere Pläne und finden es äußerst peinlich, was mit ihren Eltern zusammen zu machen. Zeit zu Viert wird es dann, wenn überhaupt, nur noch sehr selten geben.

Ausblick – unsere Zeit wird kommen

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© Klaus-Uwe Pacyna / pixelio.de

Es wird also unaufhaltsam eintreten, das was wir uns jetzt so sehr wünschen und was uns augenscheinlich fehlt. Aber warum sehnen wir uns eigentlich? Warum nehmen wir es nicht einfach so wie es ist und genießen es? Liegt es in der Natur des Menschen, dass wir uns immer das wünschen, was wir gerade nicht haben können? 

Ich bin jetzt schon ganz wehmütig, wie ich dabei Tag für Tag zuschaue, dass meine Kinder immer selbstständiger werden, obwohl ich natürlich auch stolz darauf bin. Ich vertraue darauf, dass wir als Eltern und wir als Paar das schaffen und die Zeit, die wir zurzeit nicht haben, überstehen und bis dahin die Zeit zu Viert in den Vordergrund stellen. Das wünsche ich mir von Herzen.

Eure Renate

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2 thoughts on “Sehnsucht

  1. Ich glaube tatsächlich, dass diese Sehnsucht in der Natur des Menschen liegt. Und zwar in Kombination mit Zufriedenheit. Manchmal merkt man einfach nicht, dass das Jetzt perfekt ist und der gewählte Weg der richtige. Aber solche Momente, wie du ihn wohl beim Schreiben gehabt haben könntest, holen uns ja dann zurück. Man reflektiert und merkt, dass Alles gut ist für den Moment. Und wenn nicht, wäre das der Moment Entscheidungen zu treffen, ob man was verändert.
    Ich glaube, diese Sehnsucht ist heilsam in beide Richtungen. 🙂

    • Danke schön, liebe Juli, für Deine Worte. Ich wünsche mir so sehr, dass ich zufrieden sein kann mit dem, was ich habe. Meistens gelingt es mir – manchmal nicht. Sich immer wieder daran erinnern, wie gut es uns doch geht, ist die Kunst. Viel zu oft vergessen wir das. Leider.

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